Matthias Brockmann     -
Nörgel-Max


Das ist Nörgel-Max

An dieser Stelle wird in unregelmäßigen Abständen über Ansichten von Nörgel-Max zu Geschehnissen auf dem Golfplatz berichtet. Eigentlich heißt er Maximilian Nörgelei und ist seit fast Anbeginn dabei.

Er meint, er wäre ein guter, sehr guter Golfer. Mit dieser Meinung steht er allerdings alleine. Sein langes Spiel ist zu kurz, sein kurzes zu lang. Seine Putts ebenso, zu kurz oder zu lang und in der Richtung meist daneben. Unter Androhung von gerichtlicher Klage hat er uns verboten, sein Handicap zu nennen. Nur soviel können wir verraten: er ist sein eigenes größtes Handicap.

Nörgel-Max über Sand und Wasser

„Sand und Wasser“, so Nörgel-Max „haben auf einem Golfplatz nichts zu suchen.“ Nach seiner Meinung gehören Sand zum Strand und Wasser zum Meer. Und Bäume haben nahe den Fairways absolut nichts verloren, die gehören in den Wald. Und Wald gehört auch nicht so nahe an den Spielbahnen wie an den Bahnen 5, 6, 7 und 15. Und Inseln wie auf der 16 gehören nicht auf einen Golfplatz sondern ins Meer. „Haben die beiden Betreiber sich doch nur ausgedacht, um ihr Geschäft mit neuen Bällen anzukurbeln“, schimpft Nörgel-Max. Die Erwiderung, dass so etwas das Spiel doch interessanter macht, wischt er verächtlich weg. „Was soll dabei interessant sein, dass der Ball ins Wasser fliegt?“ Dass es tatsächlich Golfer gibt, die es mit dem Abschlag auf das Grün der Insel schaffen, hat er wohl noch nicht erlebt.


Halle an der Driving Range
 
Über die Neuerung auf der Driving Range, die er sehr selten besucht, kann er nur lästern. „Jetzt haben die sogar eine Halle aufgebaut für Videokameras.“ Erst die Menschen, die laufend „Selfies“ mit ihren Smartphones schießen und dabei natürlich andere stören und nun lassen sie sogar Videos von sich drehen. Dass diese Anlage sich hervorragend dazu eignet, um den Schwung genauer zu analysieren und damit zu verbessern, akzeptiert Nörgel-Max nicht. Ist ja klar, wessen Schwung so katastrophal schlecht ist, der will das nicht noch per Video bewiesen bekommen. 
 

Miniaturgolfplatz Teil I
 
Mein ironisch gemeinter Vorschlag, in die Videohalle auf der Drivingrange im Winter die Bahnen des Golfplatzes Altenstadt im Maßstab 1:100 nachzubauen, nahm Nörgel-Max mit großer Begeisterung auf. „Toller Vorschlag, da benötige ich nur noch einen Schläger, den Putter.“ Er gerät ins Schwärmen. „Bahn 1 statt 370 m dann 3,70 m, ein sicheres Ass für mich. Und die 15“, so Nörgel-Max „ist dann 5,48 m lang, auch mit einem Schlag zu bewältigen.“ Allerding brauchen die Sand- und Wasserhindernisse nicht gebaut werden, stören nur, auch auf Bäume und andere Hindernisse kann Nörgel-Max verzichten. „Wenn alles gut läuft“, so träumt Nörgel-Max, „dann benötige ich nur 18 bis 20 Schläge, mehr als 50 unter Par.“ Und er träumt sich schon als Plus-Handicaper. 
 

Miniaturgolfplatz Teil II
 
Dass die Betreiber seinen Vorschlag nicht aufgreifen wollen, verärgert Nörgel-Max sehr. „Die hätten die Investition doch schnell herein bekommen“, schimpft er, „den grünen Nadelfilzboden braucht man nicht zu mähen, die Kosten für Personal und Maschinen würden also eingespart werden, und die Spieler bräuchten weder Divots zurück legen noch Pitchmarken auszubessern.“
Nun ist er am überlegen, solch einen Miniaturgolfplatz auf seinem Grundstück selber zu bauen. „Würde eine Goldgrube werden“, ist er sich sicher und überlegt schon, wie hoch das Greenfee sein müsste, damit sich seine Investition nach einem halben Jahr amortisiert hätte. 
Den Einwand, dass „richtige“ Golfer sich lieber in der frischen Luft bewegen wollen, lässt er nicht gelten.
 

Schleichkrabbler Teil I

Falls du schon mal mit Nörgel-Max eine Golfrunde gespielt hast, dann kennst du seine Schimpftiraden über die „Schleichkrabbler“, diese alten Männer, die zu viel Zeit haben.
Der Abstand zwischen dem Vorflight und uns am Abschlag 1 ist inzwischen auf gut 250 m angewachsen, der richtige Zeitpunkt für Nörgel-Max, den Abschlag zu betreten, seinen Ball aufzuteen, die Höhe zu kontrollieren. Danach fünf Schritte rückwärts zu gehen und die Richtung Ball – Fahne zu bestimmen. Nebenbei macht er 3 Kniebeugen, wedelt mit dem Driver, Lockerung ist wichtig. Dann stellt er sich in Abschlagposition, nebenbei 3 Kniebeugen, 3 bis 4 Probeschwünge, nochmals zurück gehen, erneut Richtung kontrollieren. Der Vorflight verlässt in 370 m Entfernung das Grün. Nörgel-Max nimmt wieder Position ein, dazu Kniebeugen, mit dem Driver wedeln, nochmals 2 Probeschwünge machen. Doch dann holt er mächtig aus und schlägt ab. Für die Beobachtung des Ballfluges benötigen wir keine Fernbrille, sein Ball ist übersichtlich einige Meter vor dem Damenabschlag gelandet. Wir murmeln „Prost“ und Nörgel-Max schimpft auf die vor uns spielenden Schleichkrabbler, die ihn mit ihrem „Schneckentempo“ irritieren und in seiner Konzentration stören.    

 
Schleichkrabbler Teil II

Ihr wartet euch die Beine im Bauch, weil der Vorflight so langsam ist? Dann geht davon aus, dass dort Nörgel-Max mit spielt und über die Schleichkrabbler vor ihm schimpft. Ob mit Hölzern oder Eisen, Nörgel-Max hat sein Ritual siehe Teil I. Er wiederholt es vor jedem seiner Schläge, gut 90 mal auf einer Runde. Nur beim Putten ist es anders. Sein Ball liegt gut 5 m vom Loch entfernt. Mit Argusaugen kontrolliert er die Puttlinie, kontrolliert dabei auch die Länge der Grashalme. Sollte einer um etwa 1/10 mm zu lang sein, so stampft er ihn mit dem Putter ein. Sodann legt er sich auf den Bauch, um die Linie besser lesen zu können. Wir fragen uns derweil, wie man die Vertiefung, die sein Bauch auf dem Grün hinterlässt, ausbessern könnte. Eine normale Pitchgabel reicht dafür nicht aus. Nach einigen weiteren Lockerungsübungen dann der Putt gute 2 m lang, es fehlen noch 3 m und wir schauen weg, wissen, dass er noch 3 bis 4 mal seine Puttübungen machen wird, bis der Ball endlich im Loch liegt und er sich noch immer über die Schleichkrabbler im Vorflight aufregt.  

Nörgel Max und Paule, golfverrückt
 
So von Grund auf verschiedene Typen in einem Flight, kann das gut gehen? Der immer nörgelnde Max und der immer gut gelaunte Paule? Auf den ersten 9 Bahnen war es kein Problem. Sie spielten immer weit voneinander entfernt, der eine links, der andere rechts im Rough. Nur auf den Grüns kam es zu kleineren, wortreichen Scharmützeln.

Dann aber auf der Bahn 13 das Unausweichliche. Paules Ball lag in einem kleinen Busch. Er holte schnell ein blaues Bändchen hervor - davon hat er immer ausreichend viele im Bag – band es an ein Ästchen und sagte „freedrop“.  Was Nörgel-Max brummelte, das geben wir hier nicht wieder. Zwei Schläge später lag der Ball von Nörgel-Max in einem kleinen Busch. „Willst du ein blaues Bändchen haben?“, fragte Max süffisant. „NEIN!“, schrie Max wütend, ging zum Busch, packte diesen und riss ihn aus der Erde. Leider sprang sein Ball dabei in die entstandene 20 cm tiefe Kuhle. „Drop mit Strafschlag“, meinte Paule amüsiert. Max nahm Eisen 9 aus dem Bag. „Da bin ich aber sehr gespannt, wie du den Ball spielen willst“, lästerte Paule und stellte sich neben Max. Der schlug nun wütend zu. Nicht auf Max, sondern Richtung Ball. Natürlich traf er nur Erde. Der Ball blieb liegen wo er war. „Eins“, zählte Max, bereit auch „Zwei“ zu zählen. Da packte Nörgel-Max sein Bag und trollte sich wütend von dannen.   


Sonntagmittag
 
Sonntagmittag und herrlichstes Golfwetter. Da ist der Platz sehr stark frequentiert. Noch standen wir mit dem golfverrückten Paule zu Dritt am Abschlag 1. Da kam, wie immer nörgelnd und spät Nörgel-Max. Er sah Paule und wollte schon umkehren. Mit dem Teufel Paule spielen oder gar nicht?
„Na komm“, rief ihm Paule freundlich zu, „Wir beißen nicht.“

Nun standen wir zu viert am Abschlag und mussten noch warten. "Ich werde mich scheiden lassen", tönte Paule. Wir erschraken. Sich von seiner lieben, gutmütigen Paula scheiden lassen? "Ich will einstellig, ein Singlehandicaper werden, da stört mich mein zweites Handicap." Wir schauen ihn fragend an. "Wenn ich nicht mehr mit Paula liiert bin", sagte er verschmitzt, "dann bin ich das 2. Handcap los, kann mir die erste 2 streichen und dann habe statt -22,3 nur noch -2,3 als Handicap." Wir verstanden. Er meint, wenn er sich scheiden lässt, dann ist er Single und automatisch ein Singlehandicaper. Das aber war für Nörgel-Max zu viel. Wortlos drehte er sich um und ging. Wir sahen ihn dann auf der Terrasse sitzen, bevor Paule wie immer als erster seinen Ball aufteete. „Der nörgelt jetzt vor sich hin“, meinte Paule grinsend, „wahrscheinlich ist ihm der Kaffee zu lau, zu stark, zu kalt oder zu heiß.“ Dann schlug er ab und der Ball landetet vor dem Damenabschlag. „Lady“, rief Nörgel-Max lachend von der Terrasse. Paules Gebrummel verstanden wir nicht.  




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