Matthias Brockmann     -
Auf dieser Seite werden kleine Geschichten über Paule, den Golfverrückten, veröffentlicht.

In meinem Buch "Wer zuletzt locht, locht am besten" gibt es ein ganzes Kapitel über ihn. Daraus werde ich nicht zitieren, es gibt jedoch weitere kleine "Splitter", die ich in der Clubzeitung veröffentlicht habe und die ich hier einsetze.


Die Runde mit Paule

Es war mal wieder ein Ereignis, Paule wollte mit uns spielen. Da wissen wir, dass wir was zum Schmunzeln haben werden.
Während wir uns noch am Abschlag 1 über den Spielmodus unterhielten, zog Paule seinen neuen Driver aus dem Bag, ging zum Abschlag, teete auf, machte einige Probeschwünge und ... der Ball sauste an unseren Nasen vorbei direkt aufs Grün. Fast im 90° Winkel aufs Grün der Bahn 9. Wir waren sprachlos.
Wortlos steckte Paule den Driver weg und zog den Putter hervor, ging eiligen Schrittes aufs 9er Grün und – das hatten wir von ihm noch nie gesehen – er puttete aus 3 m direkt ein.

„Eagle“, meinte er während er den Putter wieder ins Bag steckte, „mit 2 Schlägen die ersten neun Bahnen gespielt. Das hat noch keiner geschafft.“ Er grinste uns an. Wir waren sprachlos. Paule griff erneut zum Driver. „Jungs, das sind 51 Bruttopunkte auf 9 Loch. Das hat noch keiner von euch geschafft.“ Wieder machte er einige Probeschwünge. „Eigentlich müsste ich ja jetzt die 10 spielen. Aber ich will ja mal nicht so sein. An solch einem herrlichen Tag spiele ich gerne mit euch.“ ‚Und dann schlug er seinen Ball, der sogar recht gut flog, jedenfalls für Paule und auf dem Fairway landete, auf dem der 10. „Hab ich doch gesagt, dass ich die 10 spiele.“  
 



Wie sich Paule golferisch im Winter fit hält oder
Paules Paule II hat erfolgreich eingeputtet

Paule hält sich golferisch auch über den langen Winter fit. Jeden Tag spielt er eine Runde Golf. Nicht auf dem Platz, da ist es ihm zu kalt. Er spielt im Wohnzimmer. Hat sich eine kleine Figur mit 4 Schlägern gekauft, natürlich ist ein Driver und auch ein Putter dabei. So spielt nun Paule auf dem Bauch liegend mit Paule II seine Runden im Wohnzimmer. Da ist es warm, er kann nebenbei Kaffee trinken und es hat natürlich den Vorteil, dass er, Paule, jedes Turnier gewinnt und auch die Wohnzimmer-Clubmeisterschaft.

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Paule und die Wasserhindernisse  
 
Ob Paule die Regeln des Golfspiels kennt? Wir meinen NEIN! Er aber behauptet, er kenne sie in- und auswendig. Aber eines wissen wir sehr genau aus vielen „leidvollen“ Begebenheiten mit ihm: Er kann sie, die er nicht kennt, wunderbar für sich interpretieren. Wasserhindernisse und Strafschläge kennt er nicht, würde an keiner Stelle in den Regeln stehen, jedenfalls nicht für ihn. Auf jedem Golfplatz gibt es Wasserhindernisse. Sie sind mit Rot (seitliches Wasser) oder Gelb (Frontwasser) gekennzeichnet und die Vorgehensweise, wenn ein Ball dort gelandet ist, wird in den Regeln beschrieben. Möglicher Ballverlust und Strafschlag gehören dazu. Nicht so für Paule. Ist Wasser im „Wasserhindernis“ drin, so ist es für ihn „zeitweises Wasser“, ist keines drin, so ist es „Boden in Ausbesserung“. In beiden Fällen, so Paule, steht ihm ein Freedropp zu. „Siehst Du nicht die roten (oder gelben) Markierungspfosten?“ „Ihr seid wirklich farbenblind“, empört sich Paule, „die sind blau und das bedeutet nach den Regeln Boden in Ausbesserung“ und nimmt sich seinen Ball und legt ihn, natürlich straflos, mitten aufs Fairway, mindestens zehn Meter näher zur Fahne. Brummelt etwas von „zügigem Spiel“.

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Wie Paule ein Singlehandicaper werden will

Mal wieder eine Runde mit Paule gespielt. Wie der zu seinem Handicap von -22,3 gekommen ist, ist ein Rätsel für uns. Paule bestellt eine Runde Getränke. Er hätte zwar nicht verloren, meint er, aber er sei ja großzügig. Wir verkneifen uns das Lachen. Wenn er nur jeden zweiten Schlag zählt ...

"Prost, Jungs." Paule hebt sein Glas, nickt uns wohlwollend zu, trinkt. "Ich werde mich scheiden lassen." Wir erschrecken. Sich von seiner lieben, gutmütigen Paula scheiden lassen? "Ich will einstellig, ein Singlehandicaper werden, da stört mich mein zweites Handicap." Wir schauen ihn fragend an. "Wenn ich nicht mehr mit Paula", er trinkt schnell einen Schluck, "dann bin ich das 2. Handcap los, kann mir die erste 2 streichen und
dann habe statt -22,3 nur noch -2,3 als Handicap."

Jetzt verstehen wir ihn. Er meint, wenn er sich scheiden lässt, dann ist er Single und automatisch
ein Singlehandicaper. Er denkt so, wie er spielt, immer quer durchs Rough. Ach, Paule, auch als Single wird er es nie zum Singlehandicaper bringen, da sind wir uns einig. Er aber grinst verschmitzt und lädt uns zu einer weiteren Runde ein.

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Jimmi Hendersen oder die Erfindung des Tees

Als Jimmi Hendersen am 3. Juni 1883 um 16:54 den Abschlag der Bahn 1 betrat“, Paule lächelt uns vielsagend an. Wir winken ab, haben kein Interesse an Geschichten über den „wohl weltbesten Golfer“, wie uns Paule schon seit Jahren suggerieren will, von dem wahrscheinlich kein anderer Golfer der Welt je gehört hat. Wir schon. Doch immer nur von Paule. Der hat auf der letzten Bahn einen Tripplebogey gespielt und sich einen Birdie aufgeschrieben. Wie immer, das kennen wir ja zur Genüge. Wir sitzen, wie immer, nach der Runde auf der Terrasse des Clubhauses, genießen den Drink und schalten unsere Ohren auf Durchzug. Doch Paule will von seinem Rundenergebnis ablenken und nervt mit Jimmi Hendersen.
„Er hat das Tee erfunden“, verkündet Paule euphorisch.
„War das nicht ein anderer und viele Jahre später?“, wagt Werner dagegen zu halten.
„Nein“, so Paule barsch.
„An diesem Tag also hatte Jimmi Hendersen noch Rindfleischfasern zwischen den Zähnen“, erzählt uns Paule „und er griff zu den Zahnstochern und hatte eben diese geniale Idee.“
Wir verstehen nichts. Da steht Paule auf, zieht ein Eisen aus seinem Bag, wahrscheinlich ein 7er, marschiert auf den Platz, schwingt es wild nach hinten und dann nach vorne, schlägt ein Divot heraus und nimmt es auf. Nun ist Paule ganz durchgeknallt, versichern wir uns und schütteln traurig darüber unsere Köpfe.
Paule legt das Divot auf den Tisch, steckt drei Zahnstocher hinein, so, dass sie sich nach oben öffnen, legt einen Ball darauf und steigt auf den Stuhl, um auf den Tisch zu steigen und schwingt dabei schon wild sein Eisen. Er wird doch nicht ..? Er wird ... Wir springen auf und halten ihn fest, zerren ihn wieder auf den Boden der Tatsachen.
Den Schrecken noch in den Gliedern, wissen wir, dass Paule den Ball auf den Zahnstochern auf dem Divot auf dem Tisch mit einem seiner „Meisterschläge“ geschlagen hätte. Und es wäre sicherlich einer dieser meisterlichen Schläge geworden, nicht so einer, von denen er uns immer wieder erzählt, die wir aber noch nie von ihm gesehen haben. Paule wäre beim Schlag ins Schwanken geraten, wäre gekippt, vom Tisch auf den Hinterkopf gefallen und sein Ball wäre sicherlich meisterlich nach hinten geflogen, durch die Glasscheibe ins Clubhaus und einem Herren in den Suppenteller. Und Paule, noch etwas verwirrt, wäre zu diesem Herrn gegangen und hätte den Ball mit der Bemerkung „zeitweises Wasser, hab einen Freedropp“, grinsend an sich genommen.

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